Aus ingenieurtechnischer Sicht ist die „maximale Baugröße“ für Multi Jet Fusion (MJF) keine feste Zahl, sondern ein Bereich, der durch die jeweilige Maschinenplattform und die gewählte Verschachtelungsstrategie definiert wird. Kommerzielle MJF-Systeme bieten heute Bauvolumina im Bereich von mehreren hundert Millimetern in X-, Y- und Z-Richtung – groß genug für funktionale Gehäuse, Halterungen und Verteiler, aber dennoch kleiner als typische Blech- oder Gussbauteile. Für kundenspezifische Projekte betrachten wir MJF als eine mittelgroße Produktionstechnologie, die Verfahren wie CNC-Bearbeitungsservices und 3D-Druck ergänzt, anstatt sie zu ersetzen.
Moderne MJF-Maschinen basieren auf einem rechteckigen Pulverbett. Eine gängige industrielle Konfiguration bietet einen Bauraum von etwa 380 × 280 mm in der X–Y-Ebene und eine Z-Höhe von rund 380 mm. In der Praxis bedeutet das, dass die größte Einzelteilabmessung etwas kleiner als die nominellen Bauräume sein sollte, um Pulverüberlauf, Randeffekte und Fertigungstoleranzen zu berücksichtigen.
Praktisch lassen sich damit Einzelteile mit Abmessungen von mehreren hundert Millimetern – wie mittelgroße Gehäuse, Luftkanäle oder Strukturhalterungen – in einem Durchgang fertigen. Für größere Produkte entwickeln wir modulare Designs mit Verzahnungen oder Steckverbindungen, die nach dem Druck durch mechanische Befestigung, Kleben oder präzise Nachbearbeitung mittels CNC-Prototypenbearbeitung zusammengefügt werden.
Während das maximale Bauvolumen durch die Hardware definiert ist, hängt die tatsächliche Auslastung stark von der Effizienz der Verschachtelung ab. MJF erlaubt eine 3D-gestapelte Anordnung der Komponenten im Pulverbett, sodass kleinere Bauteile in mehreren Schichten entlang der Z-Achse platziert werden können. Bei kleinen und mittelgroßen Sonderteilen füllen wir den Bauraum oft mit Dutzenden oder Hunderten von Komponenten und optimieren deren Orientierung, um Maßhaltigkeit, Oberflächenqualität und Packungsdichte auszubalancieren.
Hier ist es wichtig, zwischen Prototypenfertigung und Serienproduktion zu unterscheiden. Bei Prototypen oder Einzelteilen legen wir mehr Wert auf einfaches Entpulvern und Prüfen und lassen daher mehr Raum zwischen den Bauteilen. Für die Kleinserienfertigung oder MJF-3D-Serienteile erhöhen wir die Packungsdichte und standardisieren Ausrichtungen. Durch validierte Kompensationsfaktoren stellen wir dabei sicher, dass die Maßhaltigkeit über mehrere Bauten hinweg konstant bleibt.
Wenn das Design bequem in das typische MJF-Bauvolumen passt und für Polymerwerkstoffe (meist PA12 oder ähnliche technische Kunststoffe) geeignet ist, ist MJF äußerst effizient für funktionale Prototypen und Endanwendungen. Überschreitet das Bauteil in einer Dimension die Baugröße, erwägen wir eine Segmentierung oder den Wechsel zu alternativen Verfahren wie SLS-3D-Druck, FDM-3D-Drucklösungen oder konventioneller Kunststoff-CNC-Bearbeitung, je nach mechanischen und wirtschaftlichen Anforderungen.
In kritischen Branchen wie Industrianlagen oder Konsumgütern setzen wir MJF häufig ein, um komplexe interne Strukturen und Leichtbauelemente zu erzeugen, die konventionell kaum herstellbar wären. Anschließend werden präzise Schnittstellen über CNC-Bearbeitung ergänzt. Dieser hybride Ansatz ermöglicht die volle Nutzung des Bauvolumens für komplexe Geometrien, ohne die Anforderungen an Montage oder Qualität zu vernachlässigen.
Um das maximale Bauvolumen effektiv zu nutzen, sollten folgende praktische Richtlinien beachtet werden:
Planen Sie die größte Bauteilabmessung mindestens 10–20 mm kleiner als die nominellen Maschinenachsen, um Sicherheitsmargen und Toleranzen zu berücksichtigen.
Verwenden Sie modulare Designs für sehr lange oder breite Teile und planen Sie die Verbindungsmethoden bereits im Voraus.
Richten Sie Teile so aus, dass Verzug und Verzerrung kritischer Maße minimiert werden – nicht nur, um sie in den Bauraum zu „zwängen“.
Standardisieren Sie für Serienfertigung Ausrichtungen und Verschachtelungsmuster, damit mechanische Eigenschaften und Maßhaltigkeit von Bau zu Bau reproduzierbar sind.
Kombinieren Sie MJF mit Sekundärprozessen wie dem One-Stop-Service einschließlich Bearbeitung und Oberflächenveredelung, wenn hochpräzise Schnittstellen oder ästhetische Oberflächen erforderlich sind.
Zusammenfassend definiert die maximale Baugröße von MJF einen großzügigen, aber begrenzten Konstruktionsraum für Einzelteile. Durch clevere Verschachtelung und hybride Prozessintegration lässt sich dieser Raum jedoch effizient nutzen – von der Prototypenfertigung bis hin zur Serienproduktion innerhalb desselben Bauvolumens.