Inconel 600, eine Nickel-Chrom-Eisen (Ni-Cr-Fe)-Superlegierung, ist bekannt für ihre außergewöhnliche Beständigkeit gegen Oxidation und Korrosion in extremen Umgebungen. Mit einem Einsatztemperaturbereich von bis zu 1100°C (2012°F) behält sie eine hohe mechanische Festigkeit bei und widersteht gleichzeitig chloridinduzierter Spannungsrisskorrosion sowie Karburierung. Die Vielseitigkeit dieser austenitischen Legierung beruht auf ihrer ausgewogenen Zusammensetzung – 72% Ni, 14–17% Cr und 6–10% Fe – und macht sie ideal für Anwendungen, die thermische Stabilität und eine lange Lebensdauer erfordern.
Inconel 600 superlegierungsbearbeitete Komponenten wie Wärmetauscher, Ofenbauteile und Kernreaktorkomponenten sind in der Luft- und Raumfahrt, Energie- sowie Chemieindustrie weit verbreitet. Seine Fähigkeit, saure, alkalische und hochdruckdampfhaltige Umgebungen zu widerstehen, macht Inconel 600 zu einem Schlüsselwerkstoff für kritische Systeme.
Inconel 600 (UNS N06600 / W.Nr. 2.4816) ist eine Nickel-Chrom-Legierung, die u. a. nach ASTM B168 und AMS 5665 standardisiert ist und für Hochtemperaturstabilität sowie Korrosionsbeständigkeit ausgelegt wurde. Nachfolgend die wichtigsten Eigenschaften:
Element | Zusammensetzungsbereich (Gew.-%) | Hauptfunktion |
|---|---|---|
Nickel (Ni) | mind. 72,0 | Basiselement; sorgt für Oxidationsbeständigkeit und Duktilität. |
Chrom (Cr) | 14,0–17,0 | Bildet eine Cr₂O₃-Oxidschicht als Korrosionsschutz. |
Eisen (Fe) | 6,0–10,0 | Optimiert Kosten und mechanische Festigkeit. |
Kohlenstoff (C) | ≤0,15 | Begrenzt Karbidausscheidungen in Wärmeeinflusszonen. |
Mangan (Mn) | ≤1,0 | Verbessert die Warmumformbarkeit. |
Silizium (Si) | ≤0,5 | Unterstützt die Oxidationsbeständigkeit bei hohen Temperaturen. |
Kupfer (Cu) | ≤0,5 | Wird begrenzt, um Korrosionsbeständigkeit nicht zu beeinträchtigen. |
Schwefel (S) | ≤0,015 | Minimiert Heißrisse beim Schweißen. |
Eigenschaft | Typischer Wert | Prüfnorm/Bedingung |
|---|---|---|
Dichte | 8,47 g/cm³ | ASTM B311 |
Schmelzbereich | 1354–1413°C | ASTM E1268 (DTA) |
Wärmeleitfähigkeit | 14,9 W/m·K (bei 100°C) | ASTM E1225 (stationäres Verfahren) |
Elektrischer Widerstand | 1,12 µΩ·m (bei 20°C) | ASTM B193 (Vierleitermessung) |
Wärmeausdehnung | 13,3 µm/m·°C (20–1000°C) | ASTM E228 (Dilatometrie) |
Spezifische Wärmekapazität | 460 J/kg·K (bei 20°C) | ASTM E1269 (DSC) |
Elastizitätsmodul | 214 GPa (bei 20°C) | ASTM E111 (Ultraschall/Resonanz) |
Eigenschaft | Wert | Prüfnorm |
|---|---|---|
Zugfestigkeit | 550–690 MPa | ASTM E8/E8M |
Streckgrenze (0,2%) | 240–345 MPa | ASTM E8/E8M |
Bruchdehnung | ≥30% (bei 50 mm Messlänge) | ASTM E8/E8M |
Härte | 150–200 HB (Brinell) | ASTM E10 |
Inconel 600 (UNS N06600) ist eine Nickel-Chrom-Legierung für extreme Einsatzbedingungen. Seine Leistungsfähigkeit wird durch Industriestandards wie ASTM B168 und AMS 5665 untermauert. Wichtige Kennwerte:
Hochtemperaturfestigkeit: Behält eine Zugfestigkeit von ≥550 MPa bei 600°C und ≥345 MPa bei 870°C und übertrifft damit die meisten austenitischen Edelstähle (z. B. verliert 304SS oberhalb von 540°C rund 50% seiner Festigkeit).
Oxidationsbeständigkeit: Bildet eine stabile Cr₂O₃-Oxidschicht und widersteht Zunderbildung in Luft bis ca. 1175°C (gemäß zyklischen Oxidationstests nach ASTM G54).
Korrosionsbeständigkeit:
Spannungsrisskorrosion (SCC) durch Chloride: Schwellenwert des Spannungsintensitätsfaktors (KISCC) von ≥30 MPa√m in siedender 42% MgCl₂-Lösung, konform zu NACE MR0175 für Sour-Service-Anwendungen.
Beständigkeit gegen Säuren/Laugen: Korrosionsraten <0,1 mm/Jahr in 10% Schwefelsäure (Raumtemperatur) und <0,05 mm/Jahr in 50% NaOH (Immersionstests nach ASTM G31).
Mechanische Eigenschaften:
Zugfestigkeit bei Raumtemperatur: 550–690 MPa (ASTM E8/E8M).
Streckgrenze (0,2%-Dehngrenze): 240–345 MPa.
Bruchdehnung: ≥30% (bei 25 mm Messlänge).
Härte: 150–200 HB (lösungsgeglühter Zustand, ASTM E10).
Thermische Stabilität: Linearer Wärmeausdehnungskoeffizient von 13,3 µm/m·°C (20–1000°C) – reduziert Maßänderungen bei thermischen Zyklen (ASME BPVC Section II-D).
Schneller Werkzeugverschleiß
Mechanismus: Ausgeprägte Kaltverfestigung (Verfestigungsexponent n ≈ 0,3) und abrasive intermetallische Phasen (z. B. Ni₃Al) beschleunigen den Freiflächenverschleiß.
Auswirkung: Standzeit von Hartmetallwerkzeugen kann bei aggressiven Schnittbedingungen auf 5–15 Minuten sinken.
Kaltverfestigung
Dehnratenempfindlichkeit: Durch dynamische Rekristallisation kann die Oberflächenhärte während der Bearbeitung um 20–30% ansteigen.
Risiko: Werkzeugabdrängung und schlechtere Maßhaltigkeit (Überschreitung von ±0,05 mm Toleranz).
Thermisches Management
Wärmeentwicklung: Schnitt-Temperaturen können 800–1000°C überschreiten (IR-Thermografie).
Folgen: Maßdrift durch Wärmeausdehnung und Mikrorissbildung.
Spanbruch/-kontrolle
Spanform: Lange, zähe Späne (teils segmentiert) verursachen Verstopfen, Aufbauschneiden und Oberflächenaufschmierung.
Werkzeugauswahl und Geometrie
Parameter | Empfehlung | Begründung |
|---|---|---|
Werkzeugwerkstoff | Keramikverstärktes Hartmetall (z. B. KCU25) oder CBN (kubisches Bornitrid) für Schlichtbearbeitung. | Höhere Warmhärte (CBN: ~3000 HV vs. Hartmetall: ~1500 HV). |
Beschichtung | AlCrN- oder TiSiN-PVD-Beschichtungen (Schichtdicke: 2–4 µm). | Reduziert Reibung (μ < 0,3) und begrenzt Wärmeeintrag. |
Werkzeuggeometrie | Positiver Spanwinkel (6–8°) mit scharfer Schneidenpräparation. | Minimiert Schnittkräfte und Kaltverfestigung. |
Einstellwinkel | 45° fürs Schruppen; 15° fürs Schlichten. | Ausgleich zwischen Spanverdünnung und Schneidkantenstabilität. |
Schnittparameter (ISO 3685 konform)
Operation | Schnittgeschwindigkeit (m/min) | Vorschub (mm/U) | Schnitttiefe (mm) | Kühlmitteldruck (bar) |
|---|---|---|---|---|
Schruppen | 20–30 | 0,15–0,20 | 2,0–3,0 | 70–100 (IKZ / durch das Werkzeug) |
Schlichten | 40–60 | 0,05–0,10 | 0,2–0,5 | 100–150 |
Bedeutung der Nachbehandlung: Inconel 600 besitzt bereits eine hohe Korrosions- und Temperaturbeständigkeit. Durch moderne Oberflächentechnik lässt sich die Lebensdauer in aggressiven Medien jedoch weiter steigern.
PVD-Beschichtung (Physical Vapor Deposition)
Beschichtungsarten: TiAlN (Titannitrid-Aluminium), CrN (Chromnitrid) oder AlCrN (Aluminium-Chromnitrid).
Schichtdicke: 2–5 µm, z. B. mittels Magnetronsputtern aufgebracht, erhöht die Oberflächenhärte (bis ca. 3000 HV) und reduziert Reibung (<0,3).
Anwendungen: Verschleißbeanspruchte Bauteile (z. B. Ventilsitze, Turbinenschaufeln) bei 800–1000°C.
Elektrochemisches Polieren (ECP)
Prozessparameter: 20–40 V DC, saure Elektrolyte (z. B. Schwefel-/Phosphorsäuregemisch) bei 40–60°C.
Ergebnisse:
Reduktion der Rauheit von Ra 1,6 µm auf Ra 0,2 µm.
Entfernung von Mikrorissen und eingebetteten Partikeln – besonders wichtig für Nuklear- oder Pharma-Anwendungen.
Passivierung (ASTM A967)
Vorgehen: Beizen/Immersion in Salpetersäure (20–50% v/v) bei 20–50°C für 20–60 Minuten.
Nutzen: Entfernt freie Eisenrückstände und verbessert die Lochkorrosionsbeständigkeit in chloridhaltigen Medien (z. B. Marine/Chemieanlagen).
Laserauftragsschweißen (Laser Cladding)
Werkstoffe: Kobaltbasierte Legierungen (z. B. Stellite 6) oder Auftragsschicht aus Inconel 625.
Schichtdicke: 0,5–3,0 mm, mit Haftfestigkeiten >350 MPa.
Einsatz: Reparatur/Verstärkung hochtemperaturbelasteter Bauteile (Abgasdüsen, Brennkammerkomponenten).
Energie & Chemische Verfahrenstechnik
Gasturbinen-Brennkammern, Wärmetauscherrohre und Kernreaktorkomponenten.
Hohe Oxidationsbeständigkeit in Hochtemperaturdampf und korrosiven chemischen Umgebungen.
Luft- und Raumfahrt
Abgassysteme von Strahltriebwerken, Nachbrennerteile und Schubumkehrsysteme.
Erhält strukturelle Integrität unter Thermozyklen und mechanischer Belastung.
Marine Engineering / Offshore
Ventile für Meerwasserentsalzung, Pumpenwellen und Befestigungselemente für Offshore-Plattformen.
Beständig gegen Salzwasserkorrosion und Erosion.