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Stellite 4

Stellite 4 ist eine kobaltbasierte, verschleiß- und korrosionsbeständige Legierung mit ausgewogenem Verhältnis von Härte und Zähigkeit. Ideal für CNC-gefertigte Bauteile in Ventilen, Pumpen und hochbelasteten mechanischen Systemen mit moderater thermischer Beanspruchung.

Einführung in Stellite 4

Stellite 4 ist eine Kobalt-Chrom-Wolfram-Legierung, die für Anwendungen entwickelt wurde, die unter hohen Lasten und moderaten thermischen Bedingungen eine ausgezeichnete Verschleißfestigkeit, Fressbeständigkeit (Galling) und Korrosionsbeständigkeit erfordern. In Bezug auf Härte und Zähigkeit zwischen Stellite 1 und Stellite 6 positioniert, bietet sie ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Zerspanbarkeit und Dauerfestigkeit.

Stellite 4 wird häufig in CNC-bearbeiteten Teilen eingesetzt, die Metall-auf-Metall-Gleitkontakt, Reibverschleiß (Fretting) und Umgebungen mit moderaten Stößen ausgesetzt sind. Seine Mikrostruktur besteht aus einer zähen Kobalt-Matrix, die durch harte Karbidphasen verstärkt wird, wodurch es sich sowohl für den Einsatz im Gusszustand als auch nach der Zerspanung in den Branchen Luft- und Raumfahrt, Energie, Marine sowie Öl & Gas eignet.


Chemische, physikalische und mechanische Eigenschaften von Stellite 4

Stellite 4 (UNS R30004 / AMS 5387 / ISO 5832-4 Gruppe) ist eine kobaltbasierte Legierung mit mittlerem Kohlenstoffgehalt, die für hohe Druckbelastung, korrosive Medien und leicht thermische Umgebungen ausgelegt ist, um Verschleiß und Korrosion zu widerstehen.

Chemische Zusammensetzung (typisch)

Element

Zusammensetzungsbereich (Gew.-%)

Hauptfunktion

Kobalt (Co)

Rest (≥50,0)

Basiselement für Warmhärte und Korrosionsbeständigkeit

Chrom (Cr)

28,0–32,0

Sorgt für Oxidations- und chemische Beständigkeit

Wolfram (W)

12,0–15,0

Erhöht Verschleiß- und Abrasionsbeständigkeit

Kohlenstoff (C)

1,5–2,0

Bildet Karbide zur Erhöhung der Härte

Nickel (Ni)

≤3,0

Erhöht die Duktilität

Eisen (Fe)

≤3,0

Geringes Restelement

Silizium (Si)

≤1,2

Verbessert Gießeigenschaften

Mangan (Mn)

≤1,0

Unterstützt die Warmumformbarkeit


Physikalische Eigenschaften

Eigenschaft

Wert (typisch)

Prüfnorm/Bedingung

Dichte

8,75 g/cm³

ASTM B311

Schmelzbereich

1260–1345°C

ASTM E1268

Wärmeleitfähigkeit

12,0 W/m·K bei 100°C

ASTM E1225

Elektrischer Widerstand

0,95 µΩ·m bei 20°C

ASTM B193

Wärmeausdehnung

12,6 µm/m·°C (20–400°C)

ASTM E228

Spezifische Wärmekapazität

410 J/kg·K bei 20°C

ASTM E1269

Elastizitätsmodul

210 GPa bei 20°C

ASTM E111


Mechanische Eigenschaften (Gusszustand oder HIP + wärmebehandelt)

Eigenschaft

Wert (typisch)

Prüfnorm

Härte

43–48 HRC (Gusszustand) / bis zu 50 HRC (HIP-behandelt)

ASTM E18

Zugfestigkeit

950–1150 MPa

ASTM E8/E8M

Streckgrenze (0,2%)

550–700 MPa

ASTM E8/E8M

Bruchdehnung

1,5–3,5%

ASTM E8/E8M

Verschleißbeständigkeitsindex

>2× 316 Edelstahl

ASTM G65


Wesentliche Eigenschaften von Stellite 4

  • Ausgewogene Verschleißfestigkeit und Zähigkeit: Bietet hohen Verschleißschutz ohne die Sprödigkeit härterer Stellite-Sorten und ist damit ideal für Gleitkontakt sowie stoßbeanspruchte Komponenten.

  • Moderate Härte bei guter Zerspanbarkeit: Leichter zu bearbeiten als Stellite 1 oder 3, bei gleichzeitig hervorragender Oberflächenbeständigkeit.

  • Korrosionsbeständigkeit: Beständig gegen saure, salzhaltige und oxidierende Umgebungen bis 900°C und damit geeignet für Ventil- und Pumpeninnenteile.

  • Maßhaltigkeit: Bewahrt strukturelle Integrität und enge Toleranzen bei Teilen, die Druck, Reibung und moderater Wärme ausgesetzt sind.


Herausforderungen und Lösungen bei der CNC-Bearbeitung von Stellite 4

Bearbeitungsherausforderungen

Abrasiver Werkzeugverschleiß

  • Ein moderater Karbidanteil führt dennoch zu Flankenverschleiß bei unbeschichteten oder falsch ausgewählten Werkzeugen.

Aufbauschneide und Schmieren

  • Unzureichende Kühlmittelzufuhr oder ein ungeeigneter Spanwinkel können zu Anhaftungen führen und dadurch Oberflächengüte sowie Toleranzkontrolle verschlechtern.

Wärmeentwicklung

  • Die geringe Wärmeleitfähigkeit konzentriert die Wärme an der Schneidzone, was zu Schneidenverschleiß und Kantenabbau führen kann.


Optimierte Bearbeitungsstrategien

Werkzeugauswahl

Parameter

Empfehlung

Begründung

Werkzeugmaterial

PVD-beschichtetes Hartmetall (K20–K30) oder CBN zum Schlichten

Bewältigt abrasiven Verschleiß und erhält die Schneidkantenintegrität

Beschichtung

TiAlN oder AlCrN (3–5 µm)

Reduziert Wärme und Reibung

Geometrie

Positiver bis neutraler Spanwinkel (5° bis 0°), verrundete Schneide 0,03 mm

Kontrolliert Schnittkräfte und verhindert Ausbrüche

Schnittparameter (ISO 3685)

Operation

Geschwindigkeit (m/min)

Vorschub (mm/U)

Zustellung (mm)

Kühldruck (bar)

Schruppen

10–18

0,20–0,30

2,0–3,0

100–120

Schlichten

20–28

0,05–0,10

0,5–1,0

120–150


Oberflächenbehandlung für bearbeitete Stellite-4-Teile

Heißisostatisches Pressen (HIP)

HIP bei 1150°C und 150 MPa verfeinert die Mikrostruktur, reduziert Porosität und verbessert Ermüdungs- sowie Verschleißbeständigkeit.

Wärmebehandlung

Wärmebehandlung kann nach der Bearbeitung eingesetzt werden, um Eigenspannungen abzubauen und Karbide zu stabilisieren.

Superlegierungs-Schweißen

Superlegierungs-Schweißen ermöglicht rissfreie Auftragungen mittels WIG- oder PTA-Verfahren mit Vorwärmung und kontrollierter Zwischenlagentemperatur.

Thermische Barrierebeschichtung (TBC)

TBC-Beschichtung schützt Teile, die in Hochgeschwindigkeits- und Hochtemperatursystemen Heißgaserosion ausgesetzt sind.

Funkenerodieren (EDM)

EDM wird zum Schlichten gehärteter Stellite-4-Teile mit Toleranzen von ±0,005 mm und Ra <0,6 µm empfohlen.

Tieflochbohren

Tieflochbohren ist ideal zur Herstellung verschleißfester Bohrungsmerkmale in Ventilkäfigen und Buchsen.

Materialprüfung und Analyse

Materialprüfung umfasst Härteprüfung, Verschleißsimulation (ASTM G65) und metallografische Karbidkartierung.


Industrieanwendungen von Stellite-4-Komponenten

Ventilsitze und Ventilschäfte

  • CNC-bearbeitete Teile für Hochdruck-Ventilinnenteile im korrosiven und erosiven Betrieb.

Öl und Gas

  • Drosselblenden, Hülsen und Choke-Ventil-Trim-Teile, die Schlammströmung, sandhaltigen Medien oder Gasdrosselung ausgesetzt sind.

Schiffstechnik

  • Wellenhülsen, Pumpenkomponenten und Buchsen, die gegen Biofouling und Salzwassererosion beständig sind.

Energie und Kraftwerkstechnik

  • Gleitpads und Verschleißringe in Dampfturbinen sowie Systemen mit thermischen Lastwechseln.


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