Stellite 3 ist eine kobaltbasierte Legierung, die für Anwendungen mit extremen Anforderungen an Verschleißbeständigkeit, Härte und Korrosionsstabilität entwickelt wurde – insbesondere bei erhöhten Temperaturen. Sie enthält mehr Kohlenstoff und Wolfram als Stellite 1 und bildet dadurch eine stärker karbidreiche Struktur mit noch höherer Abrasionsbeständigkeit. Stellite 3 bietet einen hervorragenden Schutz gegen Fressen (Galling), Gleitverschleiß und Erosion – besonders unter hohem Druck und thermischer Belastung.
Aufgrund seiner hohen Härte und Sprödigkeit wird Stellite 3 typischerweise für CNC-bearbeitete Bauteile eingesetzt, bei denen Maßgenauigkeit, thermische Stabilität und eine sehr lange Standzeit unter starkem mechanischem Kontakt entscheidend sind. Typische Anwendungen sind harte Ventiltrimm-Komponenten, Drossel-/Blendenplatten (Orifice Plates), Schneidklingen sowie Matrizen/Werkzeuge, die intensiver Abrasion oder punktueller Belastung ausgesetzt sind.
Stellite 3 (UNS R30003 / AMS 5382 / ISO 5832-4 Familie) zählt zu den härtesten kommerziell verfügbaren Kobaltlegierungen und wird typischerweise durch Gießen, Pulvermetallurgie oder Hartauftragungsprozesse hergestellt und anschließend CNC-bearbeitet.
Element | Zusammensetzungsbereich (Gew.-%) | Hauptfunktion |
|---|---|---|
Kobalt (Co) | Rest (≥50,0) | Basismatrix; liefert Warmhärte und Oxidationsbeständigkeit |
Chrom (Cr) | 27,0–32,0 | Verbessert Korrosionsbeständigkeit, besonders in oxidierenden Medien |
Wolfram (W) | 13,0–16,0 | Steigert Abrasionsbeständigkeit durch harte Wolframkarbide |
Kohlenstoff (C) | 2,4–3,3 | Erhöht Karbidanteil für maximalen Verschleißschutz |
Nickel (Ni) | ≤3,0 | Erhöht Zähigkeit der Matrixphase |
Eisen (Fe) | ≤3,0 | Rest-/Nebenbestandteil |
Silizium (Si) | ≤1,2 | Verbessert Gießbarkeit und Oberflächenqualität |
Mangan (Mn) | ≤1,0 | Mikrostrukturstabilität während der Erstarrung |
Eigenschaft | Wert (typisch) | Prüfnorm/Bedingung |
|---|---|---|
Dichte | 8,75 g/cm³ | ASTM B311 |
Schmelzbereich | 1265–1355 °C | ASTM E1268 |
Wärmeleitfähigkeit | 11,0 W/m·K bei 100 °C | ASTM E1225 |
Elektrischer Widerstand | 0,98 µΩ·m bei 20 °C | ASTM B193 |
Wärmeausdehnung | 12,5 µm/m·°C (20–400 °C) | ASTM E228 |
Spezifische Wärmekapazität | 410 J/kg·K bei 20 °C | ASTM E1269 |
Elastizitätsmodul | 210 GPa bei 20 °C | ASTM E111 |
Eigenschaft | Wert (typisch) | Prüfnorm |
|---|---|---|
Härte | 50–55 HRC (gegossen) / bis 58 HRC (HIP-behandelt) | ASTM E18 |
Zugfestigkeit | 1100–1250 MPa | ASTM E8/E8M |
Streckgrenze (0,2 %) | 600–750 MPa | ASTM E8/E8M |
Bruchdehnung | 0,5–1,5 % (sehr gering) | ASTM E8/E8M |
Verschleißindex | >3× im Vergleich zu 316 Edelstahl | ASTM G65 |
Extreme Abrasionsbeständigkeit: Der hohe Anteil harter Karbide macht die Legierung ideal für Anwendungen mit starkem Partikelverschleiß oder Metall-auf-Metall-Reibkontakt.
Außergewöhnliche Warmhärte: Behält >50 HRC bis etwa 800 °C und bietet dadurch langanhaltenden Verschleißschutz bei thermischer Zyklierung.
Korrosions- und Erosionsstabilität: Gute Beständigkeit in sauren, chloridhaltigen und oxidierenden Medien – geeignet für Durchflussregelung und Anlagen im Chemieprozess.
Geringe Duktilität: Sehr gut für feststehende Komponenten; nicht empfohlen für dynamisches Biegen oder zyklische Hochstoßbelastung.
Der hohe Karbidanteil verursacht abrasiven Verschleiß an Freiflächen und Schneidkanten – selbst bei niedrigen Schnittgeschwindigkeiten.
Die Duktilität ist stark begrenzt; falsche Vorschübe oder unterbrochene Schnitte können Rissbildung oder Kantenabplatzungen auslösen.
Die geringe Wärmeleitfähigkeit konzentriert Wärme in der Schnittzone, was Beschichtungen schneller abbaut und die Maßhaltigkeit beeinträchtigen kann.
Parameter | Empfehlung | Begründung |
|---|---|---|
Werkzeugwerkstoff | CBN oder Keramik; PVD-beschichtetes Hartmetall zum Schlichten | Bewältigt extreme Härte und Abrasion |
Beschichtung | AlTiN oder TiSiN (3–5 µm) | Reduziert thermische Belastung und Freiflächenverschleiß |
Geometrie | Neutral bis leicht negativ (0° bis -5°), verrundete Schneidkante 0,03–0,05 mm | Erhöht Stabilität und vermeidet Mikroschartenbildung |
Operation | Geschwindigkeit (m/min) | Vorschub (mm/U) | Schnitttiefe (mm) | Kühlschmierstoffdruck (bar) |
|---|---|---|---|---|
Schruppen | 8–12 | 0,15–0,25 | 1,5–2,5 | 80–100 |
Schlichten | 15–22 | 0,05–0,10 | 0,3–1,0 | 100–120 |
HIP bei 1150 °C und 150 MPa verbessert die Mikrostrukturhomogenität und erhöht die Verschleißbeständigkeit von Guss- oder AM-Teilen.
Wärmebehandlung nach der Bearbeitung kann Eigenspannungen reduzieren und die Karbidverteilung verbessern, um die Härte langfristig zu stabilisieren.
Superlegierungs-Schweißen (TIG) mit vorgewärmtem Grundwerkstoff und geringer Aufmischung unterstützt rissarme Verbindungen und gleichmäßige Verschleißzonen.
TBC-Beschichtung verbessert die Temperaturbeständigkeit für Bauteile mit 850–1050 °C thermischer Belastung und Abrasionsrisiko.
EDM ist wichtig für komplexe Profile oder gehärtete Teile und ermöglicht Toleranzen bis ±0,005 mm sowie Ra <0,6 µm.
Tieflochbohren unterstützt lange, gerade Geometrien in Stellite-Buchsen und Verschleißhülsen – insbesondere bei abrasiven Medien.
Werkstoffprüfung umfasst Mikro-/Makrohärtekartierung, ASTM-G65-Verschleißbewertung und metallografische Querschliffanalysen.
Sehr gute Verschleiß- und Fressbeständigkeit für Dampfventile, Drosselplatten und Hochdruck-Dichtkomponenten.
Pumpenauskleidungen, Laufräder und Orifices, bei denen abrasive Mineralien konventionelle Legierungen schnell abtragen.
Brennerspitzen, Shrouds und Düsen-/Nozzle-Einsätze unter Erosionsangriff und hohen thermischen Gradienten.
Messer, Scheren und Matrizen für schwer zerspanbare Materialien, bei denen Schneidkantenstabilität und Wärmebeständigkeit entscheidend sind.